Habt Ihr auch manchmal oder gar ständig das Gefühl, dass wir belogen werden wenn wir Nachrichten sehen? Ich meine jetzt nicht, dass der Bund ein Drittel der Kosten für Kinderkrippen übernehmen will, oder dass Roger Cicero tatsächlich eine reelle Chance hatte beim Grand Prix zu gewinnen.

Was ich meine ist wenn der Chef eines Einzelhandelkonzerns erzählt, dass es seiner Kette schlecht geht. Der Konsument achtet mehr auf das was er ausgibt und es finden weniger spontane Ausgaben statt usw. Im Gegensatz dazu müssen wir für eine Gurke z.B. 99 Cent bezahlen. 99 CENT!!! Hallo??? Denken wir mal etwas zurück und wir werden feststellen, dass wir für eine Gurke auch vielleicht was mit 99 bezahlt haben, oder vielleicht 1,19, oder 1,29. Aber DM!!!! Nicht Cent! Und wenn ich für eine normale Pizza Margarita 3 Mark bezahlt habe, zahle ich jetzt 3,30 Euro. Da braucht mir kein Pizzabäcker was zu erzählen; ich habe die alte Preisliste noch bei mir zu Hause liegen.

Aber nicht nur im Fernsehen wird gelogen. Mein Tankstellenpächter jammert mir schon seit Jahren die Ohren voll, dass dies eigentlich nur ein Minus-Geschäft sei, er jeden Monat bis fast kurz vor Ultimo nicht weiß, wie er seine Rechnungen bezahlen soll und er sich normalerweise nicht mal mehr nen Döner leisten könne. Wie er sich dann leisten könne sich jedes Jahr das neueste Mercedes-Model zu leasen, fragte ich ihn irgendwann. Und ohne rot zu werden erzählte er mir dann, dass er einen extrem günstigen Leasingsatz hätte und das ja eh teilweise eher repräsentativ wäre und dass ihm die Frage doch zu sehr ins Persönliche gehen würde. Jetzt hatte ich verstanden. Klar, wenn er jedes Jahr miese fährt, muss er wenigstens einen guten Leasingzins bekommen, logisch. Und was seine Spritkosten angeht; tanken kann er ja bei sich umsonst, oder? Bei all dem ganzen Ärger es schaffen die Tankstelle nicht schließen zu müssen… Alle Achtung.

Als ich vorgestern nach der Arbeit an meiner Tankstelle vorbei fuhr sah ich den stolzen Preis von 1,389. „Das ist aber teuer“, sagte ich mir. Gestern war der Preis auf 1,349. Ich habe angehalten und getankt. Was ist hier passiert?

Ich kann mir das nur so erklären: Auf Grund der schleichenden, aber ständigen und gezielten Preiserhöhungen hat sich unterbewußt unsere preisliche Schmerzgrenze (die bei mir eigentlich schon bei 1,20 pro Liter erreicht war) kontinuierlich nach oben verschoben, so dass wir einen Preis von 1,349 als akzeptabel erachten und tanken. Sollte sich der Spritpreis auf 1,60 einpendeln, so würden wir wahrscheinlich bei 1,57 tanken, weil wir das als günstig empfinden.

Klasse, oder? Erst erzählt man uns, dass mit dem Euro alles besser wird, dann wird alles außer unser Gehalt eins zu eins umgerechnet und schließlich glauben wir auch noch ein Schnäppchen gemacht zu haben, wenn wir eine DVD für 10 Euro ergattern!

Eine Sache ist auf jeden Fall sicher; der Spritpreis wird weiterhin steigen, aber solange ein Steinbrück pokerface grinsend in die Kamera gafft und uns Steuereinnahmen von 90 Milliarden verspricht (was ja gar nicht so abwegig ist bei den Preisen), solange die Medien uns erzählen, dass die Wirtschaft brummt (ob jetzt aus dem Hintern, oder sonst wo), so lange werden wir dann auch 5,80 für einen Liter zahlen. Denn es geht doch nichts über gute, ehrliche Nachrichten.

Guten Tag und viel Glück

Thomas Skandalis