„Papa, ich brauche ein Smartphone“… Das waren die ersten Worte meines 10jährigen Sohnes, als er nach dem Einschulungstag der 5. Klasse nach Hause kam. „Es gibt Kinder die haben schon iPhones und S3 und S4 und ich habe gerade mal Touch“, kam dann hinterher.

Da steht man nun da mit seinen 43 Lenzen und denkt an die eigene Kindheit zurück. Mobiltelefone waren damals soweit weg wie Alpha Centauri und bis man zu Hause auf dem giftgrünen Wählscheibentelefon gewählt hat um zu telefonieren, hätte man auch ein Kind zeugen können… Sie glauben mir nicht? Dann haben Sie mit solch einem Gerät noch nie eine Nummer ins Ausland gewählt und sich dann auch nicht verwählt….

 

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Lange habe ich mich sogar geweigert, mir ein Mobiltelefon anzuschaffen. Abgesehen davon, dass ich die ersten mobilen Ziegelsteine mit Telefonfunktion total unpraktisch fand, konnte ich mir nicht vorstellen warum man um alles in der Welt immer und überall erreichbar sein muss und dafür auch noch bezahlen sollte. Mit 27 war es dann aber leider soweit. Zum Glück wurden die Dinger etwas kleiner und auf Grund eine beruflichen „Zwanges“ musste ich mir also auch ein Nokia anschaffen (gab es damals überhaupt was anderes?). Mit 27!

Wenn mein Sohn schon mal bei Kumpels übernachtet, höre ich mir immer die Geschichten an, was er denn so alles gemacht hat. Dinge wie Fußball spielen, oder auch mal auf dem Spielplatz rumklettern stehen zum Glück noch auf dem Programm. Aber viele Geschichten spielen rund um Mine Craft, Vector, SlenderMan und Co. Dann gibt es noch so ein Tierchen namens “Pou“. Sie haben richtig verstanden, denn das kleine Stück sieht nicht nur so aus und heißt nicht nur wie ein Haufen Scheiße, nein es ist auch ein Haufen Scheiße – nur virtuell und mit Augen und Gesicht versehen. Was man damit macht? Kennen Sie noch die Tamagochi-Eier? Genau das. Aber Tamagotchi 4.0 mit einem kompletten Haus, wo man den Haufen Scheiße im Bad z.B. sauber machen kann, ins Bett steckt, damit der Haufen Scheiße schlafen kann, oder rausgeht, um den Haufen Scheiße spazieren zu führen. Oder man spielt mit dem Haufen Scheiße verschiedene Spiele. Sogar ins Tor kann man den Haufen Scheiße stellen… Wortwörtlich wird die App beworben: „Füttere Dein Pou, pflege es und sieh ihm beim Wachsen zu“. Wenn Sie also mal Langeweile haben sollten – Scheiße wachsen sehen!

Wieder denke ich an meine Kindheit zurück und erinnere mich, dass ich damals tatsächlich schon Telefone für mich entdeckt hatte. Die Telefonzellen ließen sich mit einem Stück Eis am Stiel so manipulieren, dass das Restgeld nicht mehr raus kam. So hatte man etwas Taschengeld, dass man natürlich sofort wieder in den Umlauf brachte und zwar in Form vom etwas Süßem und der neuesten Micky Maus vom Tante-Emma-Laden um die Ecke… Auch Spiele-Konsolen gab es schon… Wenn einer eine hatte, dann haben wir das legendärste Spiel schlechthin gezockt…. Pong – für so 5-10 Minuten… Danach war man einfach zu rammdösig in der Birne und musste wieder raus…

Gewohnt haben wir jedoch auf dem Bolzplatz. Bei Sonnenschein, Regen, Schnee und Eis haben wir Fußball ohne Ende gezockt und von morgens bis Abends hier und da rumgegammelt ohne das unsere Eltern auch nur die geringste Ahnung hatten wo wir waren. Und ich glaube es war denen auch egal… Heutzutage sieht man immer viele Kids vorzugsweise an Ecken rumlungern, die freies WLan ermöglichen. Hotpsot-Gammler nennen sich diese liebevoll gegenseitig und mittlerweile ersetzt die Suche nach einem freien Hotspot die gute alte Schnitzeljagd.

Ich hatte also keine Wahl und habe meinem Sohn ein Smartphone besorgt. Natürlich das Gebrauchte meiner Frau, die sich dann wiederum ein Neues besorgt hat. Und dann waren endlich alle glücklich und die Schule konnte normal weitergehen. Ca. 1 Monat hat die Ruhe dann angehalten, bis er mit der Frage nach Hause kam: „Papa, kann ich ein iPhone haben?“.

 

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So, jetzt ist der Spaß aber vorbei. Meine Versuche, zumindest meinen Sohn nicht assimilieren zu lassen, werden hoffentlich erfolgreich sein. Sollte es keinen Blog mehr von mir geben, können Sie davon ausgehen, dass ich es nicht geschafft habe und jetzt voller Scham wiedererkannt zu werden, jegliche Verbindungen zur Außenwelt abgebrochen habe. Ich werde den nächsten Wundersame-Omen-und-Zeichen-aus-Wolkenformationen-Herausleser konsultieren und ihn anflehen, dass er mir herausliest, was ich als Samsung-User falsch gemacht habe….

 

Guten Tag und viel Glück
Thomas Skandalis

 

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